Kurzprotokoll

Runder Tisch „Gedenkstättenarbeit in M-V“ am 4.3.2013 in Alt Rehse


Begrüßung durch Rainer Stommer und Nils Köhler, beide Sprecherrat AG Gedenkstätten M-V

1. Diskussion landesweiter Fragestellungen:

- Aktivposten Kulturgut, Projekt an der Uni Rostock, in dem sich Studierende mit originalen Kulturgütern, Handschriften und anderen Quellen beschäftigen sollen, die Koordinatorin ist Frau Adam von der UB Rostock, sie sucht Einsatzstellen, das Praktikum umfasst 90 Stunden, in denen die Studierenden an Projekten zur Erschließung, Entschlüsselung oder Sicherung von Quellen vor Ort mitarbeiten, Willensbekundungen zur Einrichtung solcher Praktikumsstellen sammelt der Sprecherrat, um die Angaben an Frau Adam weiterzuleiten.

- Auswertung des Seminars „Verunsichernde Orte“ in Kühlungsborn im Dezember 2012: Die Teilnehmenden ziehen eine insgesamt sehr positive Bilanz, wo gibt es sonst die Gelegenheit zu einer selbstreflektierenden Fortbildung über die Voraussetzungen der eigenen Arbeit. Die Runde plädiert für eine Fortführung dieses Angebots, der Dezember ist ein guter Termin im Jahr, allerdings sollte der Termin langfristig angekündigt werden.

- Auswertung der Bundesgedenkstättenkonferenz in Hannover: AG Gedenkstätten in M-V trat engagiert und erfolgreich für die Öffnung des Forums gegenüber den DDR-Gedenkstätten ein, auf der nächsten Veranstaltung soll das Thema weiter verfolgt werden, Andreas Wagner ist in die Vorbereitungsgruppe berufen worden. Sehr positiv wurde das parallel stattgefundene Treffen der LAG für Gedenkstättenarbeit eingeschätzt. Diese Treffen sollen zukünftig zwei Mal jährlich stattfinden. Das nächste Treffen ist für den 17. April in Berlin geplant.

- Wöbbelin: Ramona Ramsenthaler informierte über einen Veranstaltungsblock zum 200. Todestag von Theodor Körner vom 23. bis 26. August 2013, eine Arbeitsgruppe bereitet Fachtagung, Gedenkveranstaltung, Vorstellung von Schülerprojekten etc. vor, Broschüre „Theodor Körner – ein Held!?“ ist erarbeitet.

2. Fachvorträge zum Thema Menschenrechtsbildung und Gedenkstättenarbeit

Katja Ganske
entwickelte den Projekttag „Menschenrechte“ in der Gedenkstätte Buchenwald. Warum Menschenrechtsbildung in NS-Gedenkstätten? Sie können eine Brücke in die Gegenwart vor dem Hintergrund einer wachsenden zeitlichen Distanz zum NS, Migrationshintergrund und Wandel Erinnerungskultur bilden. Herausforderung ist der Gegenwartsbezug – hilft uns dabei Menschenrechtsbildung? Was ist Menschenrechtsbildung? (menschenrechtliche Pädagogik – Beutelsbacher Konsens, explizite Menschenrechtsbildung, implizite Menschenrechtsbildung nach Lothar Müller, 2003) Als Zugänge zu einer Menschenrechtsbildung in Gedenkstätten ermittelte sie: 1) Längsschnitt „Menschenrechte“ – historische Entwicklung der Menschenrechte, aber nur wenige positive Beispiele an den Gedenkstätten, z. B. Neuengamme: berufsgruppenspezifische Ansätze und in Buchenwald: Stephan Hessel; 2) Werteklärung: Auseinandersetzung mit Grundwerten, Verhältnis Grundwerte und Verbrechensgeschichte, individuelle Werte werden expliziert und in Beziehung zu dem Ort gesetzt; 3) Perspektivwechsel: Multiperspektivität – Täter, Zuschauer, Opfer, Helfer etc. Letztlich darf dabei nicht außer Acht gelassen werden, Geschichte auch in ihrer Andersartigkeit zu verstehen.

Diskussion: Stellenwert von Freiheit unter den Menschenrechten, Überwältigungsverbot und Betroffenheitspädagogik, Menschenrechte werden als Handlungszusammenhänge realisiert, historischer Wandel von Rechtsnormen, Entwicklung von offenen, partizipativen pädagogischen Settings

Constanze Jaiser entwickelte gemeinsam mit Jacob David Pampuch die Projektmappe „Ein Schmuggelfund aus dem KZ…“ Sie erläuterte die praktische Umsetzung der Projektidee, verwies auf Besonderheiten von historischen Orten und zeitliche Rahmenbedingungen, moralische Aufladung von Gedenkstättenarbeit, Reduktion ist gefordert, schon längere Zeit wird Toleranz- und Demokratieerziehung an Gedenkstätten betrieben, Genese der Projektmappe „Schmuggelfund“. Menschenrechtsbildung kann sich nicht auf Menschenrechtsverletzungen beschränken, weil das nicht einlädt, aktiv zu werden. Die Wahrnehmung von Menschenrechtsverletzungen ist ebenfalls ein Lernprozess.

Einstiegsübungen 1) „Bewegungsbaustein Rund um die Wannsee-Villa“; Erschließung des historischen Ortes über einen Hörguide, Vorstellung der Projektmappe „Ein Schmuggelfund aus dem KZ – Erinnerung, Kunst & Menschenwürde“, fächerübergreifender Ansatz: Lernen über die Menschenrechte, Lernen für die Menschenrechte (Einladung und Aktivierung), Lernen durch Menschenrechte (aktivierende Methoden, Anerkennung, Beteiligung), 2) Einstiegsübung als besondere Herausforderung, praktische Erprobung des Bausteins „Kunst und Menschenwürde“ aus der Projektmappe zum Schmuggelfund.

Diskussion: Geschichte des Umgangs mit dem Quellenfund, Geschlechterdifferenz in der Gedenkstättenarbeit, Einbeziehung der Nachkriegsprozesse, Verweis auf die Fortbildung in Wöbbelin zur intensiven Vorstellung des Materials am 14. März 2013.

3. Vorstellung des historischen Ortes/ Erinnerungsinitiative Alt Rehse

Rainer Stommer – Vorstellung des Erinnerungsortes Alt Rehse/ Führerschule der Deutschen Ärzteschaft, Flächendenkmal soll unter Schutz gestellt werden, aktuelle Situation der Erinnerungsinitiative und Stand Projektentwicklung, Nutzungskonzept gliedert sich in Gedenkort (Ausstellung), Lernort (Pädagogik), kulturelle Aktivitäten, touristische Angebote; geplante neue Bezeichnung der Einrichtung „Lern- und Gedenkort Alt Rehse“,

Diskussion: Bedeutung des Vorstandsvorsitzenden Dr. Richter-Reichheim für die Projektentwicklung, aktuelle Nutzungsverhältnisse im Gutspark, Verhältnis zur Gemeinde

4. Diskussion zur Zukunft des Landesgedenkstättenseminars

Andreas Wagner stellte eine knappe Bilanz der bisherigen 25 Landesgedenkstättenseminare in Trägerschaft von Politische Memoriale e. V. vor und stellte die Position des Sprecherrats zur zukünftigen Entwicklung dieses Veranstaltungsformats vor. In der anschließenden Diskussion fanden folgende Punkte eine mehrheitliche Zustimmung:

- Das Veranstaltungsformat ist klar zu definieren, dazu gehört eine klare Unterscheidung von den beiden Veranstaltungen des Runden Tisches „Gedenkstättenarbeit in M-V“

- Das Landesgedenkstättenseminar muss stärker öffentlich orientiert sein, während der Runde Tisch sich mehr auf eine interne Fortbildung der Gedenkstättenmitarbeiter konzentriert. Über das Landesgedenkstättenseminar wollen wir auch Menschen ansprechen, die sich nicht täglich mit Gedenkstättenarbeit beschäftigen, aber dennoch wichtige Zielgruppen für unsere Arbeit sind: LehrerInnen, ErwachsenenbildnerInnen, MitarbeiterInnen in den Kulturverwaltungen, PolitikerInnen etc.

- Das kann nur durch eine hohe Qualität des Programms, eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit und durch angemessene organisatorische Rahmenbedingungen erfolgen. Das Landesgedenkstättenseminar soll auch als ein bundesweites Aushängeschild für die Gedenkstättenarbeit in M-V fungieren.

- Unbedingt beibehalten werden, sollte die Öffnung der Veranstaltung gegenüber beiden Diktaturerfahrungen in M-V.

-Als geeigneter Träger für die Veranstaltung wird die LpB angesehen. Sie vereinigt viele Anforderungen: Finanzmittel, professionelles Veranstaltungsmanagement, Reputation in der Fachwelt und Politik/ Verwaltung. Die Programmentwicklung soll in enger Zusammenarbeit zwischen ReferentIn für Gedenkstättenarbeit LpB und dem Sprecherrat AG Gedenkstätten erfolgen, um die Widerspiegelung der Problemstellungen im Land zu sichern und fachliche Einbindung/ Unterstützung durch die Gedenkstätten aus M-V zu gewährleisten.

- Da ein Frühjahrstermin am günstigsten erscheint, ist mit dem nächsten Landesgedenkstättenseminar erst im Frühjahr 2014 zu rechnen.

5. Verschiedenes

- Pläne für die Erarbeitung eines neuen Internetportals der Gedenkstätten in M-V wurden diskutiert. Dabei empfiehlt der Sprecherrat eine reduzierte Variante, die als Eingangstor zu den Gedenkstätten in M-V dient. Dazu können wir die Internetseite der AG Gedenkstätten in M-V weiterentwickeln, was ohne großen Aufwand und mit minimaler Betreuung erfolgen kann. In der Diskussion wurde darauf verwiesen, sich mit den Betreibern des Internetangebots „MV tut gut“ in Verbindung zu setzen, um eine Einbeziehung der Gedenkstätten zu erreichen.

- Für Interessierte gibt es die Möglichkeit, kostenlos an einer Fahrt nach Borne Sulinowo (Polen) im Rahmen der Lernpartnerschaft zur Geschichte des Kalten Krieges teilzunehmen. Die Fahrt findet vom 25. bis 28. April statt. Borne Sulinowo war jahrzehntelang eine geschlossene Stadt. Hier war sowjetisches Militär stationiert und Polen durften erst seit 1992 in die Stadt. Vor 1945 war es eine riesige deutsche Garnison mit Truppenübungsplatz und mehreren Kriegsgefangenenlagern. Wir werden die historischen Überreste sehen und an einer Wanderausstellung zum Kalten Krieg arbeiten. Interessenten wenden sich bitte an Politische Memoriale e. V.

- Der nächste Runde Tisch findet am 28. Oktober zum Thema Internierungs-/ Speziallager wiederum in Neubrandenburg statt.

Schwerin, 4. März 2013 Andreas Wagner



Sachbericht
Runder Tisch „Gedenkstättenarbeit in M-V“ am 28.10.2013 in Neubrandenburg

Begrüßung und Eröffnung durch Nils Köhler, Sprecherrat AG Gedenkstätten M-V
Bundesgedenkstättenkonferenz (BGK) in Worms: Dr. Nils Köhler und Dr. Rainer Stommer nahmen an der BGK teil; informieren über das interne Forum der drei Gruppen (große KZ-Gedenkstätten, Landeszentralen pol. Bildung; kleine/mittlere Gedenkstätten) mit unterschiedlichen Interessenlagen; stärkere Vernetzung der kleinen/mittleren Gedenkstätten über Bundesarbeitsgemeinschaft mit Vertretern aus den LAGs; nächste Vorbereitungstreffen im März 2014; nächste Bundesgedenkstättenkonferenz für September 2014 in Bremen geplant; Ziel der AG Gedenkstätten MV ist es, den internen Kreis für alle Gedenkstätten aufzubrechen, insbes. auch für die DDR-Gedenkstätten;
Situation am HTM Peenemünde: Dr. Nils Köhler informiert über das Ausscheiden des bisherigen Kurators Dr. Mühldorfer-Voigt; mittlerweile zwei Stellen (Kurator/in, Archivar/in) öffentlich ausgeschrieben; Peenemünder Manifest 2013 durch das Deutsch-Polnische Kulturforum Odermündung der Öffentlichkeit übergeben (www.peenemuender-erklaerung.eu); Differenzen zwischen Museumsleitung und dem Kulturforum; verschiedene Sichtweisen zum Ausbau der deutsch-polnischen Zusammenarbeit; HTM besitzt überregionale Ausstrahlung; Museumspädagogin Frau Ute Augustat informiert über die gegenwärtige Arbeitssituation am HTM und beklagt die Koordinierungsprobleme zwischen den verschiedenen Akteuren; Lob für die pädagogische Arbeit am HTM, trotz z.Z. fehlender fachwissenschaftlichen Begleitung; Herr Schmidt, Dr. Wagner und Dr. Höffer verweisen nochmals auf die Strahlkraft des Ortes und die Notwendigkeit aller Akteure, sich dessen bewusst zu sein und zu handeln.
Allgemeine Informationen von Heike Müller: erinnert an die Rücksendung der Steckbriefe im Zusammenhang mit dem Projekt der Universitätsbibliothek Rostock zur Praktikantenbetreuung (Ansprechpartnerin: Frau Adam, UB Rostock) und die Möglichkeit für die betreuenden Einrichtungen ein Angebot zur didaktischen Fortbildung zum Thema Praktikantenbetreuung an der Uni Rostock wahrzunehmen; informiert über die im Dokumentationszentrum Demmlerplatz Schwerin in Abstimmung mit dem Bildungsministerium erarbeitete Hausordnung, die demnächst auch auf der Internetseite der LpB MV veröffentlicht wird (Musterexemplare verteilt) verweist auf einen interessanten Aufsatz von Bodo von Borries „Hände weg vom ´Beutelsbacher Konsens´!“ aus: „Erinnern! Aufgabe, Chance, Herausforderung“ der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt 1 I 2013; (S. 79-91) (Kopien verteilt)
Literaturhinweise von Dr. Nils Köhler:Broschüre „Das Kriegsende in Demmin 1945“ (Herausgeber: Demminer Regionalmuseum); Buch „Wem gehört die Geschichte?“ von Michael Braun (Aschendorf-Verlag); Buch „Pommern auf der Flucht. 1945“ von Heinz Schön (Zeitgut Verlag)

Vorstellung des neuen Gedenkstättenreferenten der LpB, Herr Dr. Eckart Schörle
Einführung durch Hr. J. Schmidt, Direktor der LpB: seit Beginn des Jahres erfolgt die Koordinierung der Gedenkstättenarbeit nicht mehr im bewährten Umfang über Politische Memoriale e.V., seit Juni 2013 ist Hr. Dr. Schörle neuer Gedenkstättenreferent in der LpB persönliche Vorstellung durch Hr. Dr. Schörle und Ausblick zur zukünftigen Arbeit:Landesgedenkstättenseminar soll inhaltlich und organisatorisch neu aufgestellt werden; Mittel für eigene Website der Gedenkstätten M-V wurden für 2014 eingeworben;
Erarbeitung eines Landesgedenkstättenkonzeptes soll im Austausch mit den Gedenkstätten bis Ende 2014 entstehenBuch »Das Lager Fünfeichen: 1939-1945 Kriegsgefangenenlager Stalag IIa der Wehrmacht, 1945-1949 Speziallager Nr. 9 des NKWD« von Dr. Natalja Jeske kann in Kürze über LpB bezogen werdenvielfacher Wunsch nach Wiederholung der Fortbildung „Verunsichernde Orte“; für dieses Jahr konnte kein gemeinsamer Termin mehr gefunden werden; Planung für 2014

Vortrag „Antifaschismus in der DDR: Zu den Voraussetzungen, Spannungsfeldern und Folgen einer staatlichen Ideologie“ von Frau Dr. Anette Leo (Berlin)
Mitherausgeberin des Buches „Helden, Täter und Verräter: Studien zum DDR-Antifaschismus“ (Metropol-Verlag, August 1999)verschiedene Facetten des Begriffs „Antifaschismus“; keine eindeutige Beschreibung zur Bedeutung; aktive Haltung gegen NS vs. Synonym für kommunistischen Kampfbegriff (Ost vs. West); antifaschistisches Monopol der SED (Deutungshoheit); Antifaschismus wurde i.d. DDR auf den kommunistischen Widerstand verkürzt; wurde erst Mitte/Ende der 70er Jahre aufgebrochen; Antifaschismus = Klassenkampf („antifaschistischer Schutzwall“; Bezeichnung Aufstand des 17. Juni 1953 als „faschistischer Putschversuch“)
kurzer historischer Abriss des Begriffes Antifaschismus; ; entstand Anfang des letzten Jahrhunderts in Italien; „Sozialfaschismus“ ; Komintern 1935 Definition des Begriffs Faschismus; Spanischer Bürgerkrieg; 2. Weltkrieg
am Ende des 2. Weltkrieges kurzer „neutraler“ Moment in der Geschichte; wurde aber schnell wieder als Begriff im Kalten Krieg instrumentalisiert; Antifaschismus wurde in der DDR zur Bekenntnisideologie; der Begriff „Nationalsozialismus“ wurde weder in Schule/Lehre/Studium, noch im öffentlichen Leben der DDR verwendet
These: viele sehen NS-Vergangenheit immer noch als die Geschichte „der Anderen“, dadurch keine „ehrliche“ Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit.
Die anschließende Diskussion machte deutlich, wie emotional noch heute diese Debatte geführt und wie verkürzt noch immer die Kritik am System DDR mit der Abwertung der eigenen Lebensbiographie verbunden wird; bedeutsam für die historisch-politische Bildungsarbeit.

Exkursion zur Gedenkstätte Fünfeichen: Führung durch Dr. Harry Schulz (Untere Denkmalschutzbehörde Neubrandenburg)
Erläuterungen zum ursprünglichen Aufbau bzw. Gliederung der Lager und zu den verbliebenen Überresten; kurzer Rückblick und Ausblick auf die Entwicklung der Gedenkstätte Fünfeichen

Vortrag zur Arbeit AG Fünfeichen, Neubrandenburg von Frau Dr. Rita Lüdtke
AG wurde am 28.04.1991 auf Initiative ehemaliger Häftlinge bzw. von deren Angehörigen gegründet (anfangs ca. 100 Mitglieder);Bedeutung der Herstellung von Öffentlichkeit; Sammeln von Erfahrungsberichten der betroffen Speziallagerhäftlingen und „Besetzung“ eines weißen Fleckes in der ostdeutschen Nachkriegsgeschichte
Fr. Dr. Lüdtke beschreibt die Entwicklung der Mahn- und Gedenkstätte Fünfeichen und stellt verschiedene Publikationen vor, die von der Arbeitsgemeinschaft herausgegeben worden sind
Die Perspektive der AG ist offen/unklar.
Die Arbeit der AG Fünfeichen wurde gewürdigt. Dennoch wiesen in der anschließenden Diskussion einige Teilnehmer/innen auf die historisch verkürzte Wahrnehmung des Ortes und die zu undifferenzierte Darstellung der verschiedenen Opfergruppen durch die AG hin.

Vortrag zum Verhältnis der unterschiedlichen Nutzungsperioden des Lagers Fünfeichen von Frau Dr. Natalja Jeske (Rostock)
Frau Dr. Jeske verweist auf die notwendige Differenzierung der verschiedenen Nutzungen des Lagers Fünfeichen; häufig Wahrnehmung als Lager „deutscher Opfer“ und Reduzierung auf die Zeit als sog. Speziallager Nr. 9 des NKWD; Nutzung als Kriegsgefangenenlager in der Zeit zwischen 1939 – 1945 (Stalag II A / Oflag II E); zwischen Mai bis September 1945 Nutzung als Repatriierungs- bzw. Heimkehrerlager (bis zu 20.000 Personen aus verschiedenen Nationen); schließlich Speziallager Nr. 9 zwischen Juni 1945 bis November 1948vermutlich über 5.000 sowjetische Kriegsgefangene in Massengräbern; ca. 110.000 Kriegsgefangene im Stalag II A erstregistriert (darunter 25.000 Polen, 4.000 NL, 38.000 Franzosen, 6.000 Jugoslawen, 20.000 Soldaten der SU und 13.000 Italiener)Ausgrenzung sowjetischer Kriegsgefangener nach Kriegsende führt zu schwieriger Datenlage, da kaum jemand über seine Kriegsgefangenschaft berichtet hat.
In der anschließenden Diskussion wurde nochmals die Verschiebung der öffentlichen Wahrnehmung das Geländes am Rande von Neubrandenburg zwischen 1939 -1945 - 1948 deutlich. Während nach 1990 mit der historischen Aufarbeitung des Speziallagers Nr. 9 begonnen wurde, verschwand zunehmend die Erinnerung an die Zeit der Kriegsgefangenenlager (Stalag II A / Oflag II E) am historischen Ort. Zwar wird mit den durch die Stadt Neubrandenburg errichteten Informationsstelen auf die verschiedenen Lager verwiesen, aber nach Aussagen von Frau Dr. Jeske sind keine Veranstaltungen/Initiativen bekannt, die an die Zeit Kriegsgefangenenlager von 1939 -1945 erinnern. Über die Defizite konnte aus Zeitgründen nicht mehr ausreichend gesprochen werden.

Sonstiges

Hinweis auf eine Initiative des Demokratischen Frauenbundes e.V. zur Errichtung eines Gedenkortes für die weiblichen Opfer der NS-Zwangsarbeit 1942-1945 in Neubrandenburg. Die nächsten Termine für den Runden Tisch 2014 wurden festgelegt: Frühjahr – 17. März 2014; im Schweriner Dokumentationszentrum; Thema: noch offen. Herbst – 27. Oktober 2014 Ort und Termin: noch offen.

Schwerin, 05.11.2013 Heike Müller / Guido Poltersdorf