2010

Kurzprotokoll

Runder Tisch „Gedenkstättenarbeit in Mecklenburg-Vorpommern“ am 25. Oktober 2010 in Wöbbelin



Nach der Begrüßung der Teilnehmenden folgte eine Diskussionsrunde zu landesweiten Problemstellungen in der Gedenkstättenarbeit.

- Der Sprecherrat der AG Gedenkstätten in Mecklenburg-Vorpommern informierte über eine Pressemitteilung in Reaktion auf Äußerungen in der Presse nach der Tagung „NS-Großbauten als Hinterlassenschaft“. Die Pressemitteilung liegt dem Protokoll bei.

- Herr Wiek aus Kühlungsborn bat um eine Unterstützung bei der Entwicklung der museumspädagogische Arbeit/ der Entwicklung einer Ausstellung in Kühlungsborn.

- Der Sprecherrat AG Gedenkstätten in M-V informierte über den aktuellen Stand der Überarbeitung des Gedenkstättenführers. Die Einträge müssen durch die einzelnen Einrichtungen überprüft und Korrekturen an Herrn Kuhn (LpB) gemailt werden.

- Zur Entwicklung einer Internetpräsentation für die Gedenkstätten in M-V werden kurzfristig vom Sprecherrat Gespräche mit der LpB geführt. Rainer Stommer bot Unterstützung bei der Suche nach einem Webmaster an und der Sprecherrat kümmert sich um eine Redaktion für die Internetseite. Auf diese Homepage könnten dann auch Veranstaltungsangebote und Projektideen zu Jahrestagen vorgestellt werden. Langfristig wären Jahrestage im Jahr 2013 vorzubereiten (1813, 1933, 1953 und 1968). Hierzu werden wir uns auf den Runden Tischen im nächsten Jahr verständigen.

- Die AG Gedenkstätten in M-V ist zu einem bundesweiten Koordinierungstreffen nach Kassel am 27. Oktober eingeladen. Wir werden durch Rainer Stommer und Martin Klähn vertreten. Als einziger ostdeutscher Landesverband ist für uns die Beschränkung auf NS-Gedenkorte problematisch. Wir plädieren für eine Zusammenarbeit der Gedenkstätten mit unterschiedlichen Zeitbezügen. Die bundesweite Vernetzung von unten begrüßen wir. Dafür muss es auch kontinuierliche Gesprächsforen und Veranstaltungen geben. Dazu soll dieses Treffen Ideen entwickeln.

- Es wurde angeregt, die Wanderausstellung zur NS-Zwangsarbeit auch nach M-V zu holen.

- Andreas Wagner informierte über das Projekt zur Entwicklung einer Internetseite zu den Stolpersteinen in M-V. Besser als in einer Publikation kann auf Veränderungen in der Landschaft reagiert und vor allem jugendliches Publikum angesprochen werden.

- Einen breiten Raum nahm die Auswertung des Bundesgedenkstättenseminars in Schwerin ein. Neben der positiven Würdigung, diese Veranstaltung nach Schwerin geholt zu haben und der vorbildlichen Präsentation der Gedenkstätten am Demmlerplatz in Schwerin und in Wöbbelin, wurde festgestellt, dass entgegen der bisherigen Seminare einige Referenten in ihren Beiträgen sich nicht auf Gedenkstättenarbeit bezogen. So blieben der Wissenschaftsdiskurs relativ unvermittelt neben der Diskussion zu den Gedenkstätten stehen. Kritik forderte das Verhalten der BpB heraus, diesen Veranstaltungstyp von der Fixierung auf die Gedenkstättenarbeit wegzuführen. Für einzelne Programmpunkte stand zu wenig Zeit zur Verfügung (Besuch Demmlerplatz und Workshops).

Ramona Ramsenthaler stellte im Anschluss ihre Arbeit in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin vor. Thematische Schwerpunkte waren die Trägerstruktur für die Gedenkstättenarbeit im Landkreis Ludwigslust, das Projekt „Schule und Gedenkstätten“ und die Perspektiven ihrer Arbeit. In der anschließenden Diskussion ging es vor allem um die Zukunft der Erinnerungsarbeit in Wöbbelin. Ramona Ramsenthaler verwies auf aktuelle Dokumentenfunde zum Kriegsende in der Region und zur Täterforschung. Außerdem machte sie deutlich, wie sie mit dem Thema Theodor Körner umgeht. Momentan laufen die Vorbereitung der Verwaltungsreform. Die Landkreise Ludwigslust und Parchim werden fusionieren und sich auch zur Fortführung der Gedenkstättenarbeit im zukünftigen Landkreis positionieren müssen. Carmen Lange und Jochen Schmidt boten Unterstützung bei der politischen Arbeit für diese Ziele an. Es wurde deutlich, dass Ramona Ramsenthaler dringend Unterstützung für die wissenschaftliche Aufarbeitung , die Erschließung des Archivs und für die Bewältigung der technisch-organisatorischen Aufgaben benötigt.

Nach der Mittagspause stellte Diana Gring, Kustodin in der Gedenkstätte Bergen-Belsen, das Medienkonzept für die Ausstellung der Gedenkstätte vor. Sie plädierte eindringlich dafür, filmisches Material als historische Quelle ernst zu nehmen und auch so in Ausstellungen zu präsentieren. Zu den notwendigen Voraussetzungen zählt die Erschließung des Filmmaterials, die häufig bei der Planung von Interviewprojekten vergessen wird. Außerdem erläuterte sie die Grundzüge des Medienkonzepts der Ausstellung in Bergen-Belsen anhand zahlreicher Beispiele. Sie bot Unterstützung bzw. fachliche Begleitung bei der Vorbereitung und Durchführung von Interviewprojekten und ihrer Präsentation in Ausstellungen an. In der Diskussion ging es um die Standards im Umgang mit filmischen Material, um die Wahrung der Würde der fotografisch oder filmisch abgebildeten Opfer und den Wirkungen der Bilder auf die BesucherInnen.

Die Diskussion wurde fortgeführt mit einem Beitrag von Carmen Lange über ein Fortbildungsangebot zur Professionalisierung von Gedenkstättenpädagogik. Dieses Angebot entstand aus einer Untersuchung zu den aktuellen Problemen der Gedenkstättenarbeit in der Bundesrepublik. Die Ergebnisse des Projektes wurde unter dem Titel „Verunsichernde Orte“ publiziert. Auf das Angebot gab es kritische Nachfragen, u. a. nach der Ausblendung von Gedenkstätten für die Opfer der SED-Herrschaft und ob das Angebot auf die Problemlagen vor Ort reagiert.

In der Auswertungsphase entstand ein Aufgabenkatalog für nächste Arbeitsschritte:

- Die Öffentlichkeitsarbeit für die Gedenkstätten in M-V soll in der nächsten Zeit verstärkt werden (Gedenkstättenführer und Internetseite).
- Durch die Erstellung von Themenlisten wollen wir die Zusammenarbeit mit den Universitäten des Landes fördern. Dazu ist es aber auch notwendig, Reisekosten, Übernachtungskosten und Zuschüsse zu Publikationen zur Verfügung zu stellen. Über Praktikumsplätze oder mögliche Themen für Abschluss- und Qualifizierungsarbeiten könnte auf der zukünftigen Internetseite informiert werden.
- Heike Müller schlug vor, mit dem Runden Tisch auch außerhalb von M-V zu tagen und andere Einrichtungen kennenzulernen. Außerdem sollten wir versuchen, Angebote zur Professionalisierung unserer Arbeit (Methodik, Argumentationstraining etc.) zu entwickeln.

Die Termine für die nächsten Runden Tische lauten:
20. und 21. März (als Veranstaltungsort wurde Prora vorgeschlagen)
24. Oktober (in Güstrow wollen wir uns an einem neutralen Ort treffen, um übergreifende Fragen zu diskutieren)

26. Oktober 2010 Andreas Wagner


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